Bei strahlendem Sonnenschein begaben sich rund sechzig geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger auf eine besondere Zeitreise: Die Rohrbacher Heimatfreunde hatten zu einer geführten Wanderung unter der Leitung von Franz Stolz eingeladen, der aus einem historischen Haus mit Krüppelwalmdach in der Rohrbacher „Schlawwerie“ stammt.
Stolz, ein profunder Kenner der regionalen Geschichte, nahm die Teilnehmenden mit auf einen spannenden Rundgang zur Geistkirche – einer kleinen Kapelle mit großer Vergangenheit am Rande Rohrbachs. Schon zu Beginn erstaunte er seine Zuhörer mit der Information, dass das Areal bereits in der Steinzeit genutzt wurde. Hinweise, dass die Steinzeitmenschen die Gegend in konzentrischen Kreisen, die teilweise durch riesige Steine markiert waren, durchstreift hatten, waren selbst langjährigen Einheimischen neu.
Ausgangspunkt der Wanderung war ein geschichtsträchtiger Ort: die Stelle, an der bereits im 13. Jahrhundert die Kirche des einstigen Dorfes Fronsbach stand. Nachdem das Gotteshaus im Laufe der Zeit verfiel, wurden dessen Steine zum Bau des heutigen Geistkircherhofs verwendet. Aus Dankbarkeit errichteten die damaligen Besitzer später eine neue Kapelle, die allerdings um 1900 dem Bau der Eisenbahn weichen musste und an anderer Stelle neu aufgebaut wurde.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die ehemalige Kaiserstraße, die einst als bedeutende Ost-West-Verbindung diente und über Jahrhunderte den Handel prägte. Auch die Geschichte der beiden historischen Gasthäuser ließ Stolz nicht unerwähnt. Mit lebendigen Anekdoten und persönlichem Detailwissen würzte er seinen Vortrag, was bei den Zuhörern für Heiterkeit und rege Gespräche sorgte.
Besonders eindrücklich war der Halt am alten Friedhof, der einst die Kapelle umgab und bis ins 20. Jahrhundert als Begräbnisstätte für die Gemeinden Rohrbach und Hassel diente. Heute wird die Pflege der Kapelle von der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes übernommen. Im Inneren der Kirche fällt vor allem eine kunstvoll gerahmte Kopie des Gemäldes Zuflucht der Sünder ins Auge – liebevoll gestaltet vom Rohrbacher Lehrer Robert Berrang und gefertigt in der Schreinerei von Eddi Wagner.
Nach rund eineinhalb Stunden endete die geschichtliche Exkursion. Martina Cappel, Vorsitzende der Rohrbacher Heimatfreunde, bedankte sich im Namen aller Teilnehmer bei Franz Stolz für den informativen und unterhaltsamen Vormittag – und bei den zahlreich erschienenen Gästen für ihr Interesse an der lebendigen Geschichte ihrer Heimat.