Historischer Spaziergang zweier Heimatvereine

Ungefähr siebzig bayerische und preußische „Subjekte“ waren an die Spieser Mühle und den Sitzweiler Hof gekommen, um bei strahlend blauem Himmel und eitlem Sonnenschein an einem historischen Spaziergang in dem ehemaligen Dreiländereck zwischen der Grafschaft Blieskastel, dem Herzogtum Zweibrücken und dem Fürstentum Nassau-Saarbrücken teilzunehmen. Geladen hatten die Rohrbacher Heimatfreunde zusammen mit dem Heimatverein Spiesen. Stephan Friedrich, Historiker im Heimatverein Spiesen, weckte gleich zu Beginn seiner Erläuterungen das Interesse und die Neugier seiner Zuhörer, denen er glaubwürdig anvertraute, dass hier im Jahre 1635 eine eiserne Kiste, bis an den Rand gefüllt mit Gold, vergraben worden war, um die Schätze vor den marodierenden kroatischen Landsknechten des Kaisers in Sicherheit zu bringen. „Bis heute hat niemand den Schatz gehoben, nach meiner Kenntnis“, so seine Ausführungen. Er ging danach detailliert auf die Spieser Mühle im Verlauf der Geschichte ein. Wechselnde Eigner, Zerstörungen und Plünderungen, prägten das Bild des Anwesens, das 1898 für 18000 Mark an die Gemeinde Friedrichsthal verkauft wurde. 1900 wurde das Wasserwerk Spiesermühltal errichtet, um den steigenden Bedarf an Trinkwasser zu decken und es ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Infrastruktur der gesamten Region. Nico Rubeck von den Rohrbacher Heimatfreunden, der die Gäste mit Pickelhaube begrüßte und sie militärisch zackig nach ihrer Herkunft befragte, erläuterte die Besonderheiten des Grenzverlaufs, ging auf die Charakteristika der Grenzsteine ein und sprach über die spannende Historie des Wasserwerks. „Die Gegend ist ausgezeichnet geeignet, um den Trinkwasserbedarf sicherzustellen, denn der hier vorhandene Buntsandstein filtert das Wasser und eine darunterliegende Tonschicht verhindert, dass es versickert und verschwindet“, begründete er seine Aussage.

Berühmte Persönlichkeiten kamen aus der Gegend. Carl Eisenbeis wanderte von hier 1856 in die Vereinigten Staaten aus und schaffte es buchstäblich vom Bäckergesellen zum Multimillionär. Zahlreiche Gebäude in seiner Heimatstadt Port Townsend erinnern an ihn und seine rege Spendentätigkeit. Am 19. April 1916 wurde Fritz Schuster in Spiesermühle geboren. Er war 1956 saarländischer Innenminister und später Oberbürgermeister von Saarbrücken.

Grenzsteine, denen interessierte Wanderer folgen können, bieten heutzutage Zeugnis, dass hier zu späteren Zeiten die Grenze zwischen den Königreichen Preußen und Bayern verlief. Für die Bewohner der Grenzregion entwickelten sich daraus immer wieder skurrile Situationen. So soll, laut einem Zeitungsbericht, die Grenze durch den Tanzsaal der Gastwirtschaft „Zur Spieser Mühle“ verlaufen sein. Das hatte zur Folge, dass, wenn der Wirt Tanzveranstaltungen abhalten wollte, es einer zweifachen Genehmigung bedurfte. Erst mit der Einbeziehung des Sitzweiler Hofes in das Saargebiet änderte sich dieser Missstand. Wechselnde und unklar definierte Zuständigkeiten der Behörden waren auch eine Ursache für den schlechten Zustand der Straße zwischen Rohrbach und Spiesen, die allerdings immens wichtig war für den Transport von Gütern und landwirtschaftlichen Produkten hin zur Spieser Mühle. Bis heute sehen sich die Bewohner mit derartigen Problemen konfrontiert. „Wer die gelben Säcke abholt und wer die gleichfarbigen Mülleimer aufstellt, ist auch jetzt noch nicht ganz klar“, erklärte ein Anlieger den schmunzelnden Spaziergängern. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieser Weg regelmäßig gegangen von den Rohrbacher Bergleuten, die auf der Grube Heinitz hart und anstrengend unter Tage das schwarze Gold abbauten. Und was lag da näher, als eine Gaststätte für die durstigen Kumpel zu eröffnen! Und dieses Gebäude, das später ein beliebtes Ausflugslokal mit Kaffee und Kuchen werden sollte, ragt heute wie ein grauer Monolith, einsam und verlassen, als Lost Place am Rand des Waldes durch das Grün des Blattwerks in den blauen Himmel. Vielleicht ist darin eine eiserne Kiste verborgen…?